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Orthopädie, die im Alter trägt
Ob Arthrose oder Hüftbruch nach einem Sturz: Moderne Orthopädie hilft, Beweglichkeit und Selbstständigkeit im Alter zu erhalten.
Text: Rebecca Blatter

Ob Arthrose oder Hüftbruch nach einem Sturz: Moderne Orthopädie hilft, Beweglichkeit und Selbstständigkeit im Alter zu erhalten. Oft reicht eine Teilprothese, um grosse Wirkung zu erzielen – auch bei Menschen über 80.
Mit zunehmendem Alter kommen unsere Gelenke an ihre Grenzen. Besonders Knie und Hüfte sind die Schwachstellen vieler älterer Menschen. «Wir werden schlicht zu alt für unseren genetischen Bauplan, wobei manche einen widerstandsfähigeren Plan haben als andere», erklärt Dr. med. Wolfgang Sitte, Leitender Arzt Orthopädie am Spital Uster. Arthrose, die langsame, aber unaufhaltsame Abnutzung von Gelenkknorpel, betrifft rund 70 Prozent der über 65-Jährigen. Während einige dank guter Voraussetzungen lange mobil bleiben, spüren andere schon früh Einschränkungen und Schmerzen.
Wichtig ist, die Gelenke möglichst lange in Bewegung zu halten – angepasst an die individuellen Möglichkeiten. «Bis heute gibt es keine klare Empfehlung, wie eine optimale Knorpelprotektion aussehen sollte», erklärt Sitte. Beschwerden aufgrund von Knie- und Hüftarthrose werden vorderhand konservativ behandelt. «In der Physiotherapie hilft das GLA:D®-Arthrose-Programm rund der Hälfte der Patientinnen und Patienten, die Lebensqualität so weit zu erhalten, dass keine Operation nötig ist», erklärt Sitte. Auch Spritzen ins schmerzende Gelenk können vorübergehend Linderung verschaffen.
Teilprothesen – auch im hohen Alter sinnvoll
Sind die konservativen Möglichkeiten ausgeschöpft, eröffnet die moderne Orthopädie neue Wege: Mit Teil oder Totalprothesen kann verlorene Gelenkfunktion gezielt wiederhergestellt werden – immer mit dem Ziel, die Mobilität und Selbstständigkeit der Patientinnen und Patienten möglichst lange zu erhalten. «Als Senior zu Hause wohnen bleiben und sich selbst versorgen zu können, aber auch im Altersheim schmerzfrei vom Zimmer ins Café zu spazieren – das ist Lebensqualität, die wir ermöglichen wollen», betont Sitte.
Gerade Teilprothesen haben grosses Potenzial, auch bei über 80-Jährigen. Ist ein klar umschriebener Teil des Kniegelenks beschädigt, aber die Bandstruktur intakt, empfiehlt Dr. Sitte den teilweisen Gelenkersatz: «Die Vorteile sind ein geringeres Infektionsrisiko, mehr Beweglichkeit, ein besseres Kniegefühl und eine schnellere Regeneration.» Und er bringt es auf den Punkt: «Halb ist in diesem Fall besser als ganz.» Denn oft reicht es, nur den verschlissenen Teil des Knies zu ersetzen, um das ganze Leben wieder leichter zu machen. «Die Skirennfahrerin Lindsey Vonn fährt mit einer Teilprothese im Knie sogar wieder Weltcup-Rennen», ergänzt er mit einem Schmunzeln.
Nicht jede Operation ist planbar
Während eine Operation bei Arthrose geplant werden kann, erfordern Sturzverletzungen sofortiges Handeln. Häufige orthopädische Altersnotfälle sind Hüftfrakturen, sogenannte Schenkelhalsbrüche. «Hier führt kein Weg an einer Operation vorbei», so Sitte. Zum Einsatz kommen dabei spezielle Hüftpfannen, die dank ihrer biomechanischen Eigenschaften besonders für weicheren Knochen und auch eine etwas schwächere Muskulatur konzipiert sind und zu hervorragenden Ergebnissen führen. Diese optimale Verbindung zwischen Knochen und Prothese lässt auch ältere Patientinnen und Patienten sehr rasch wieder mobil werden.
Besser vorbeugen
«Die grösste Gefahrenquelle für Sturzverletzungen ist der nächtliche Gang zur Toilette – oft im Dunkeln, um den Partner nicht zu wecken», erläutert Sitte. Abhilfe schaffen entsprechende Lichtquellen. Im Alltag helfen einfache Hilfsmittel wie Nordic-Walking-Stöcke. Sie vergrössern die Stützfläche und helfen, das Gleichgewicht zu halten. Frauen rät er zu einem Osteoporose-Screening ab der Menopause. Dabei werden beim Hausarzt oder bei der Hausärztin die Knochendichte gemessen und Vitamin-D- und Kalziumwerte im Blut überprüft. Auch Bewegung bleibt zentral: «Altersturnen ist kein Auslaufmodell! Wer beweglich bleibt, steht nach einem Sturz auch leichter wieder auf.» Gerade im hohen Alter zähle jeder gewonnene Schritt, jede selbstständig bewältigte Alltagssituation, betont Sitte. «Unser Ziel ist klar: weniger Schmerzen, mehr Selbstständigkeit – für ein gutes Leben bis ins hohe Alter.»
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