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Gezielt gegen den Tumor

Tumorerkrankungen gezielter behandeln, Nebenwirkungen reduzieren, Lebensqualität erhalten – das ist heute möglich.

Text: Rebecca Blatter

Tumorerkrankungen gezielter behandeln, Nebenwirkungen reduzieren, Lebensqualität erhalten – das ist heute möglich. Dr. med. Michael Ruschel arbeitet dort, wo die neuesten Erkenntnisse der Krebsforschung auf Patientinnen und Patienten treffen. Mit Fachwissen und Feingefühl findet er Therapien, die nicht nur wirken, sondern auch zum Leben passen.

Was ist das Ziel einer Krebstherapie?

Patientinnen und Patienten, die in meine Sprechstunde kommen, leiden oft an einer fortgeschrittenen Tumorerkrankung. Ohne Behandlung verursacht sie erhebliche Beschwerden und kann innerhalb weniger Wochen oder Monate lebensbedrohlich werden. Mithilfe moderner medikamentöser Therapien – etwa zielgerichteter Substanzen, Immuntherapien oder auch klassischer Chemotherapien – können wir das Tumorwachstum verlangsamen oder stoppen und den Tumor zurückdrängen. Unser Ziel ist es, die Lebenszeit zu verlängern und gleichzeitig die Beschwerden zu lindern, damit Betroffene ihren Alltag möglichst gut bewältigen können.

Was unterscheidet solide Tumoren von hämatologischen Erkrankungen?

Solide Tumoren entstehen in Organen wie der Lunge, der Brust oder dem Darm. Je nach Stadium können sie operiert, bestrahlt oder medikamentös behandelt werden. Hämatologische Neoplasien betreffen dagegen das blutbildende System – also Knochenmark, Lymphknoten oder das Blut selbst. Dabei teilen sich bösartig veränderte Blutzellen unkontrolliert und verdrängen zunehmend die gesunden Zellen. Ein bekanntes Beispiel sind Leukämien, also Blutkrebserkrankungen. Diese Erkrankungen werden in der Regel medikamentös behandelt – häufig mit modernen Verfahren wie Immuntherapien oder Stammzelltransplantationen.

Viele verbinden Krebsbehandlung vor allem mit Chemotherapie. Ist das noch aktuell?

Die klassische Chemotherapie gibt es weiterhin und sie ist in bestimmten Situationen unverzichtbar. Allerdings wirkt sie unspezifisch und kann auch gesunde Zellen schädigen. Immer häufiger können wir personalisierte Therapien einsetzen.

Wie funktioniert eine personalisierte Krebstherapie?

Wir untersuchen den Krebs ganz genau: Die Art des Tumors und viele weitere Eigenschaften werden analysiert – insbesondere auch genetische Veränderungen der Tumorzellen. Auf dieser Grundlage können wir Medikamente auswählen, die bei diesen krankhaften Veränderungen ansetzen. Damit sind Behandlungen möglich, die individuell und gezielt auf die Eigenschaften des Tumors zugeschnitten sind. Ein grosser Vorteil: Patientinnen und Patienten vertragen sie oft deutlich besser.

Das klingt vielversprechend – gibt es auch Grenzen?

Auch moderne Therapien können mit der Zeit ihre Wirkung verlieren, da sich Tumorzellen anpassen. Dann besprechen wir gemeinsam, welche weiteren Behandlungsalternativen infrage kommen. Besonders wichtig ist, dass die gewählte Behandlung nicht nur wirksam ist, sondern auch immer zur persönlichen Situation der Betroffenen passt.

Was heisst das konkret?

Ehrlichkeit und ein klares Gespräch sind entscheidend, damit Patientinnen und Patienten ihre Situation verstehen und wir gemeinsam den für sie passenden Behandlungsweg finden können. Soll die Erkrankung mit einer intensiven Therapie dauerhaft zurückgedrängt werden? Oder soll eine mildere Behandlung zum Einsatz kommen, bei der die Lebensqualität möglichst erhalten bleibt und das Fortschreiten der Erkrankung gebremst wird? Und manchmal geht es nicht mehr um die Verlängerung der Lebenszeit, sondern darum, die verbleibende Zeit möglichst lebenswert zu gestalten. In solchen Situationen verlagert sich der Schwerpunkt von der Tumortherapie hin zu Fürsorge und gezielter Linderung von Beschwerden.

Was gibt dir bei deiner Arbeit Mut?

Die Fortschritte in der Onkologie sind beeindruckend. Erkrankungen, die vor wenigen Jahren noch schwer behandelbar waren, können wir heute wirksamer therapieren und die Lebensqualität der Patientinnen und Patienten nachhaltig verbessern. Mein Ziel ist es, Patientinnen und Patienten in der Region die neuesten evidenz-basierten Therapien anbieten zu können – wohnortnah, in engem Austausch mit den Hausärztinnen und Hausärzten sowie in Abstimmung mit spezialisierten Tumorzentren. So stellen wir sicher, dass jede und jeder Betroffene die individuell optimale Behandlung erhält.

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