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Mehr Luft, mehr Leben
180 Treppenstufen für eine COPD-Patientin: eine Challenge der besonderen Art!
Sarah Buob

Pfannenstiel Challenge: COPD Patientin mit Dr. med. Daniel Franzen
Daniel – du hast eine deiner Patientinnen zu einer Challenge motiviert. Wie kam es dazu?
V. F. wurde mit einer stark fortgeschrittenen COPD und einem Lungenemphysem an mich überwiesen. Sie war körperlich massiv eingeschränkt und setzte grosse Hoffnung auf den Einsatz von Lungenventilen zur Verkleinerung des Lungenvolumens. Tatsächlich profitierte sie von der Behandlung derart, dass mir die Idee kam, sie für eine Challenge anzufragen, um anderen Patientinnen und Patienten Mut zu machen.
. . . die Challenge, gemeinsam den Aussichtsturm auf dem Pfannenstiel zu besteigen.
Genau. Keine einfache Aufgabe für eine Person mit COPD! Immerhin gilt es, 180 Treppenstufen zu bewältigen.

Prof. Dr. med. et MHBA Daniel Franzen
Departementsvorsteher Innere Medizin, Chefarzt Innere Medizin, Co-Chefarzt Pneumologie
Facharzt für Innere Medizin, Facharzt für Intensivmedizin, Facharzt für Pneumologie
Eine Aufgabe, die vor der Verkleinerung des Lungenvolumens undenkbar gewesen wäre?
Richtig. Zum Verständnis: COPD ist eine chronische Lungenerkrankung, bei der die Atemwege dauerhaft verengt sind. Viele Betroffene leiden zusätzlich an einem sogenannten Lungenemphysem. Dabei werden die kleinen Lungenbläschen zerstört und die Lunge überbläht. Die Folge ist, dass die Patientinnen und Patienten immer schlechter Luft bekommen – oft bereits bei geringer körperlicher Belastung wie dem Treppensteigen oder Bergaufgehen.
Dass Menschen mit einer Lungenerkrankung davon profitieren, wenn das Lungenvolumen verkleinert wird, hört sich für den Laien unverständlich an. Kannst du das erklären?
Viele COPD-Patientinnen und -Patienten können die eingeatmete Luft nicht vollständig ausatmen. Es kommt zu einer Überblähung der Lungen, dem sogenannten Emphysem. Indem wir winzige Ventile in bestimmte Bronchien einsetzen, kann Luft aus besonders geschädigten Lungenabschnitten entweichen und der überblähte Teil der Lunge wird entlastet. Die gesünderen Bereiche erhalten wieder mehr Platz zum Arbeiten.
Wie werden die Ventile eingesetzt?
Der Eingriff erfolgt minimalinvasiv mittels Bronchoskopie. Das heisst: Wir arbeiten über die Atemwege und benötigen keine Operation am offenen Brustkorb. Dabei führen wir unter Vollnarkose ein feines Endoskop über den Mund oder die Nase in die Atemwege ein, um die am stärksten überblähten Lungenbereiche zu lokalisieren und zu verschliessen.
Welche Vorteile sind zu erwarten?
Viele berichten, dass sie wieder besser atmen können und im Alltag deutlich belastbarer werden. Treppensteigen, Spaziergänge oder sogar einfache Tätigkeiten zu Hause fallen wieder leichter. Für manche bedeutet die Therapie, ein grosses Stück Lebensqualität zurückzugewinnen.
Ist die Behandlung für alle COPD-Betroffenen geeignet?
Nein, das ist ganz wichtig zu wissen. Die Ventiltherapie eignet sich nur für ausgewählte Patientinnen und Patienten. Deshalb führen wir vorgängig sehr genaue Untersuchungen durch – unter anderem spezielle CT-Aufnahmen und Lungenfunktionstests. So können wir beurteilen, ob die Therapie sinnvoll und Erfolg versprechend ist.
Was ging dir persönlich durch den Kopf, als du gemeinsam mit deiner Patientin V. F. auf dem Pfannenstielturm standest?
Zu sehen, wie sie Stufe für Stufe geschafft hat und oben mit einem Lächeln angekommen ist, war beeindruckend. Genau darum geht es bei solchen Therapien: nicht nur Messwerte zu verbessern, sondern Menschen Freiheit, Selbstvertrauen und Lebensqualität zurückzugeben.
Ist es das, was du Menschen mit COPD mitgeben möchtest?
Mir ist wichtig, zu erwähnen, dass es heute deutlich mehr Behandlungsmöglichkeiten gibt als noch vor einigen Jahren. Es lohnt sich, frühzeitig eine spezialisierte Abklärung zu machen und gemeinsam zu prüfen, welche Therapie individuell sinnvoll ist.
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