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Mit einem guten Gefühl in die Narkose

Eine Narkose wirkt von aussen wie tiefer Schlaf – medizinisch ist sie etwas völlig anderes.

Sarah Buob

Was bei einer Narkose im Körper geschieht, warum Ängste vor einer Operation ganz normal sind und wie Worte Sicherheit vermitteln können, erklärt Dr. med. Tanja Mutter, Oberärztin für Anästhesie am Spital Uster.

Portrait von: Dr. med. Tanja Mutter

Dr. med. Tanja Mutter

Oberärztin Anästhesie


Fachärztin für Intensivmedizin, Fachärztin für Anästhesiologie

Ist eine Narkose mit natürlichem Schlaf vergleichbar?

Auf den ersten Blick gibt es Gemeinsamkeiten: In beiden Fällen haben wir die Augen geschlossen und sind nicht wach. Doch damit enden die Parallelen bereits. Natürlicher Schlaf tritt von alleine ein, durchläuft verschiedene Schlafstadien und ist erholsam. Zudem können wir jederzeit geweckt werden. All das ist bei einer Narkose anders. Sie ist ein medizinisch herbeigeführter Zustand, der gezielt gesteuert und laufend überwacht wird.

Viele Menschen fürchten sich vor einer Narkose. Was beschäftigt sie besonders?

Fast alle Menschen haben Respekt vor einem Eingriff. Das ist ganz natürlich. Wer geht schon gerne ins Spital? Bei einer Narkose begegnet uns häufig die Angst vor Kontrollverlust und das Gefühl, ausgeliefert zu sein.

Und die Sorge, während einer Operation wach zu werden?

Diese Sorge gibt es auch, ist aber ziemlich unbegründet. Heute verfügen wir über umfassende Möglichkeiten, die Patientinnen und Patienten während der gesamten Narkose zu überwachen. Wir kontrollieren unter anderem Kreislauf und Atmung und können zusätzlich die Hirnaktivität messen, um Hinweise auf die Narkosetiefe zu erhalten. Die moderne Narkose ist also sehr sicher und risikoarm.

Darf ich zwischen einer Voll- und einer Teilnarkose wählen?

Das hängt vom Eingriff, von möglichen Vorerkrankungen und weiteren individuellen Faktoren ab. Bei manchen Operationen kommen sowohl eine Vollnarkose als auch eine Teilnarkose infrage. Dann können wir gemeinsam mit der Patientin oder dem Patienten entscheiden, welche Möglichkeit besser passt. Dabei spielt auch die persönliche Haltung eine Rolle: Manche fühlen sich wohler, wenn sie wach bleiben können, andere möchten vom Eingriff lieber nichts mitbekommen.

Kann man selbst etwas dazu beitragen, dass die Narkose möglichst gut verläuft?

Ja. Vor einer Operation findet ein Anästhesiegespräch statt. Dabei ist es wichtig, Ängste anzusprechen und Fragen zu Medikamenten, Alkohol oder Drogen offen zu beantworten. Auch Erfahrungen mit früheren Narkosen sind für uns hilfreich. So können wir die Anästhesie möglichst gut auf die einzelne Person abstimmen.

Du bist auch in Hypnose ausgebildet. Welche Rolle spielt das in deiner Arbeit als Anästhesistin?

Bei der Hypnose geht es darum, die Aufmerksamkeit gezielt zu lenken. Man ist wach und behält jederzeit die Kontrolle über den eigenen Willen. Ähnliche Zustände kennen wir aus dem Alltag, etwa wenn wir völlig in ein Buch oder einen Film vertieft sind. Dieses Wissen nutze ich auch im Umgang mit Patientinnen und Patienten.

Wie konkret?

Worte prägen unsere Erwartungen. Wenn ich beim Legen eines Zugangs sage: «Achtung, jetzt gibt es einen Stich», steht sofort der mögliche Schmerz im Vordergrund. Ich kann aber auch ruhig erklären, was geschieht, und damit ein Gefühl von Sicherheit vermitteln. Das klingt nach einer Kleinigkeit, kann aber einen Unterschied machen – gerade in Situationen, in denen Menschen angespannt sind.

Was rätst du jemandem, der am nächsten Tag operiert wird und vor Nervosität nicht schlafen kann?

Ich würde raten, sich ganz bewusst etwas Gutes zu tun: in der Natur spazieren zu gehen, ein gutes Buch zu lesen oder sich Zeit zu nehmen, ruhig und bewusst zu atmen. Es geht darum, etwas zu finden, das einem persönlich guttut und hilft, zur Ruhe zu kommen.

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