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Selbstbestimmt bis zuletzt

Über das Sterben sprechen wir oft erst, wenn es unausweichlich wird. Dabei lohnt es sich, früh darüber nachzudenken, was einem wichtig ist – und wie dieser Weg gestaltet werden soll.

Rebecca Blatter

Portrait von: Helen Stolz

Helen Stolz

Abteilungsleiterin Station B1P/C1


Dipl. Pflegefachfrau HF

Was bedeutet Palliative Care?
Kurz gefasst: In einem interprofessionellen Team ummanteln wir Patientinnen und Patienten, die an einer unheilbaren, fortschreitenden Erkrankung leiden. Neben medizinischen und pflegerischen Bedürfnissen beziehen wir auch psychologische, soziale und spirituelle Aspekte mit ein. Im Zentrum steht die Frage: Was trägt bestmöglich zur Lebensqualität dieses Menschen bei?

Heisst Palliative Care automatisch, dass das Sterben unmittelbar bevorsteht?
Nein. Obwohl wir auf das Lebensende sensibilisiert sind, steht nicht das Sterben im Spital im Vordergrund. Viele Menschen kommen wegen einer Krise wie zum Beispiel Schmerzen, Atemnot oder anderer belastender Symptome zu uns. Sobald diese stabilisiert sind, können sie wieder nach Hause oder in eine andere Institution zurückkehren. Dabei unterstützen wir sie.

Welche Rolle spielen die Angehörigen?
Eine sehr wichtige – sofern das alle Beteiligten möchten. Manche wollen bei der Pflege oder beim Essen unterstützen. Andere nutzen die Zeit, um Organisatorisches zu erledigen oder selbst einmal durchzuatmen. Deshalb fragen wir auch: Was brauchen die Angehörigen? Übrigens fragen sich viele, ob sie uns bei der Pflege im Weg stehen. Das tun sie nicht.

Warum ist eine Patientenverfügung wichtig?
Darin hält man fest, welche medizinischen Behandlungen man wünscht – und welche nicht. Sie hilft dann, wenn man sich selber kurz- oder langfristig nicht äussern kann. Für mich persönlich ist sie auch ein Schutz für meine Angehörigen: Sie sollen möglichst keine schweren Entscheidungen für mich treffen müssen. Je ausführlicher und klarer mein Wille festgehalten ist, desto besser können sie zusammen mit den Fachpersonen in meinem Sinn handeln.

Auf einer Vorlage bestehende Antworten anzukreuzen, reicht also nicht?
Eine einfache Patientenverfügung ist besser als keine. Hilfreicher wird sie, wenn ich mich mit grundlegenden Fragen auseinandergesetzt habe: Was macht mein Leben lebenswert? Was wäre für mich keine akzeptable Lebensqualität mehr? Und warum? Darüber sollte man anschliessend auch mit den Angehörigen und Vertretungsberechtigten sprechen.

Wie lässt sich das möglichst einfach und sinnvoll angehen?
Es lohnt sich, die Patientenverfügung gemeinsam mit einer Fachperson zu erarbeiten. Diese kann gezielt nachfragen, eigene Überlegungen spiegeln und aufzeigen, was bestimmte Entscheidungen konkret bedeuten können. Meine Erfahrung zeigt: Es kann entlastend sein, auch schwierige Themen offen anzusprechen – und nicht erst dann, wenn sie plötzlich dringlich werden.

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