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Flüchtige Begegnungen, die berühren
100 Personen engagieren sich freiwillig am Spital Uster. Daniela Moll ist eine von ihnen. Im Interview erzählt sie, wie aus einem spontanen Impuls eine Herzensaufgabe wurde.
Interview und Bild: Sarah Buob

Daniela Moll ist ein von rund 100 Freiwilligen, die sich im Spital Uster engagieren
Daniela, wie bist du zur Freiwilligenarbeit gekommen?
Ganz spontan! Ich traf eine gute Bekannte, die strahlend von ihrem ersten Besuchsdienst zurückkam. Da wusste ich sofort: Das will ich auch. Schon tags darauf war ich mit Anne Peer, der Leiterin der Freiwilligenarbeit am Spital Uster, im Gespräch. Es ging alles ratzfatz.
Was bedeutet dir diese Aufgabe?
Sehr viel. Ich bringe viel Empathie mit – das ist zentral. Im Spital trifft man auf Menschen in schwierigen Situationen: verunsichert, traurig oder erschöpft. Manchmal sind sie auch ablehnend – das gehört dazu. Da hilft ein dickes Fell. Aber in 99% der Fälle erlebe ich grosse Dankbarkeit und Offenheit.
Wie laufen die Begegnungen ab?
Viele freuen sich, dass jemand da ist. Gerade ältere Menschen haben ein starkes Bedürfnis zu reden. Sie erzählen von früher – ganze Lebensgeschichten. Das ist spannend und berührend zugleich. Ich lerne viel dabei. Manchmal sitze ich 40 Minuten an einem Bett, weil mich jemand nicht mehr gehen lassen will. Wenn dann für einen Moment Krankheit und Schmerz vergessen sind, ist das ein Geschenk.
Was bleibt bei dir zurück?
Viele Gespräche gehen unter die Haut – schöne wie schwierige. Es sind kurze, intensive Begegnungen. Manchmal bleibt jemand länger im Spital und freut sich schon aufs nächste Wochenende, wenn ich wiederkomme. Was danach mit diesen Menschen geschieht, bleibt offen. Das muss man aushalten können. Für mich ist klar: Die Geschichten bleiben im Spital – aus Diskretion, aber auch zum Eigenschutz.
Was braucht es nebst Empathie?
Ausdauer. (Lacht) Und für mich persönlich: gute Schuhe! Ich mache alles zu Fuss, nehme nie den Lift und bin lange auf den Beinen – manchmal auch mit Patientinnen oder Patienten im Park. Da kommen viele Schritte zusammen. Aber ich liebe das. Ich bin ein Bewegungsmensch und auch privat oft zu Fuss unterwegs.
Wie lange bist du schon dabei?
Seit Anfang Jahr – und es macht mir grosse Freude. Ich bin geschieden, lebe allein, meine Kinder sind längst erwachsen. Unter der Woche bin ich dank Hobbys und Aktivitäten viel unterwegs. Am Wochenende habe ich Zeit – da wartet niemand auf mich. Umso schöner ist es, wenn ich im Spital gebraucht werde. Ein Angehöriger hat mir kürzlich gesagt: «Ihre Arbeit ist für uns so wertvoll.» Das hat mich sehr gefreut.
Gibt es eine persönliche Verbindung zum Spital Uster?
Ja. Ich habe hier meine Kinder geboren und war selbst schon Patientin. Ich wohne nur zehn Minuten entfernt. Das ist natürlich praktisch.
Was gefällt dir an dieser Tätigkeit besonders?
Der Besuchsdienst passt perfekt zu mir. Ich kann meine Stärken einbringen – das Zwischenmenschliche, aber auch meine Sprachkenntnisse. Ich bin zweisprachig aufgewachsen, Deutsch und Italienisch, spreche auch Französisch und Englisch. Schön, dass ich das sinnvoll einsetzen kann.
Und das Team?
Ich sehe die anderen Freiwilligen nur selten. Wenn wir zu zweit Besuchsdienst machen, zählt das Miteinander! Wir entscheiden flexibel vor Ort, wer auf welcher Station unterwegs ist. Nach rund zweieinhalb Stunden gönnen wir uns eine Pause, trinken zusammen Kaffee und tauschen uns aus.