Patient Blood Management (PBM) ist ein umfassendes Konzept zur Verbesserung der Behandlungsergebnisse bei operativen Patientinnen und Patienten durch das gezielte Management des Blutverlusts und der Blutreserven. PBM zielt darauf ab, die Notwendigkeit von Fremdbluttransfusionen zu reduzieren und gleichzeitig die Genesung der Patientinnen und Patienten zu optimieren. Die Umsetzung von PBM beginnt bereits vor der Operation mit der Identifikation und Behandlung von Anämien und setzt sich in der intra- und postoperativen Phase fort.
PBM verbessert das klinische Outcome, reduziert Komplikationen und die Dauer des Krankenhausaufenthalts. Eine frühzeitige Behandlung von Anämie senkt die Wahrscheinlichkeit für Transfusionen und für Infekte sowie immunologischen Reaktionen. PBM bietet eine strukturierte und evidenzbasierte Herangehensweise, um die Patientensicherheit zu erhöhen.
PBM richtet sich vor allem an Patientinnen und Patienten, die sich grossen operativen Eingriffen mit erhöhtem Blutungs- und Transfusionsrisiko unterziehen. Besonders betroffen sind:
Orthopädie: Hüft-Prothese, Knieprothese, Schulterprothese, Revisionseingriffe (Prothesenwechsel)
Viszeralchirurgie: Dünndarmresektionen und Dickdarmeingriffe (Hemikolektomien, Rektosigmoidresektionen), Laparoskopisch, Da Vinci, offen
Urologie: Prostatektomie (DaVinci, offen), Nephrektomie (DaVinci, offen)
Gynäkologie: Hysterektomie, Myomektomie (DaVinci, offen)
Eingriffe bei Zeugen Jehovas
Wahrscheinlichkeit einer Transfusion von >10% oder erwarteter Blutverlust von ≥ 500 ml
Für Patientinnen und Patienten, die sich grossen Operationen unterziehen, ist eine frühzeitige Diagnostik der Anämie entscheidend. Folgende Laborparameter sollten frühzeitig, idealerweise bei der Indikationsstellung der Operation, bestimmt werden:
Blutbild mit Retikulozyten: Zur Bestimmung der Hämoglobinkonzentration und Erkennung von Anämieformen
C-reaktives Protein (CRP): Entzündungsparameter zur Differenzierung von Anämieformen
Kreatinin und ALAT (GPT): Zur Abklärung einer renalen Anämie
Ferritin und Transferrinsättigung (TSAT): Zur Diagnose eines Eisenmangels
Im Institut für Anästhesie des Spital Uster werden Patienten, bei denen eine Operation mit hohem Blutungsrisiko (Transfusionsrisiko > 10% oder erwarteter Blutverlust > 500 ml längerfristig geplant ist, gemäss dem untenstehenden Schema abgeklärt und behandelt.
Bei Eisenmangel (Ferritin < 100 μg/l oder TFSAT < 20%) sollte eine intravenöse Eisensubstitution erfolgen. Empfohlen wird Fe-Carboxymaltose (Feryxa®) mit einer Dosierung von 500 mg bis 1000 mg pro Infusion.
Aufgrund des häufig kurzen Zeitfensters wird die präoperative Eisensubstitution bei entsprechendem Mangel primär intravenös verabreicht. Im Regelfall sollte dies zeitnah durch die Hausärztin oder den Hausarzt stattfinden. Ist dies nicht möglich, erfolgt die Zuweisung an das Institut für Anästhesie des Spital Uster.
Eine optimale Versorgung postoperativer Anämien trägt zur schnellen Erholung der Patientinnen und Patienten bei und minimiert das Risiko für Komplikationen. Deshalb sollten bei einem geschätzten intraoperativen Blutverlust von über 500 ml am ersten postoperativen Tag der Hämoglobinwert, Ferritin und die Transferrinsättigung bestimmt werden.
Eine Eisensubtitution wird empfohlen bei: Hämoglobinwert ≤ 100 g/l in Kombination mit Ferritin < 100 μg/l und/oder einer Transferrinsättigung < 20% Dosierung: Fe-Carboxymaltose (Ferinject®) mit 20 mg/kg intravenös, maximal 1000 mg pro Gabe.
Falls eine Anämie oder ein Eisenmangel nicht durch die primäre Erkrankung erklärt werden kann, sollte eine weiterführende Diagnostik durch die Kollegen der Inneren Medizin/Hämatologie erfolgen.